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Paul Cartier

Alles, was ich mache, ist Leidenschaft“ erklärt Paul Cartier unumwunden den Antrieb seiner Kunst und seines Lebens. Mit inzwischen 81 Jahren kann der Zürcher Visionär auf über 45 produktive Jahre künstlerischen Schaffens als Maler, Zeichner und Bildhauer zurückschauen. „Ich suche und suche und finde Formen, die noch nie da waren. Auf mein Lebensende hin versuche ich, meine Formenwelt zu vereinfachen.“
Auffallend ist eine starke Fixierung auf die genitale Sexualität. Der Penis als Sinnbild der Fortpflanzung und des Kreativitätsflusses kehrt in seinen Werken immer wieder. Selbst auf den ersten Blick harmlose Motive wie beispielsweise Tauben entpuppen sich bei näherer Betrachtung als erotische Körperformen. Kunst bedeutet für Paul Cartier in erster Linie unverstellte visuelle Emotionalität. Ohne Rücksicht auf moralische Konventionen und ohne sich von der Fachwelt beirren zu lassen, drückt er sein ganzes Spektrum an Gefühlen und Obsessionen aus: „Die Entdeckung der Kunst war für mich der Schritt ins Freie.“
Wie ein roter Faden zieht sich durch Cartiers Werk die fast besessene Suche nach dem Wesen der Liebe und dem Wesentlichen der eigenen Existenz. Sein Biograph Paolo Bianchi schreibt: „Cartiers Bilder erzählen Liebes- und Lebensgeschichten mit Wurzeln im eigenen Innern. Das macht sie so unverwechselbar und so universell verständlich.“

Die Plastik „Wrack“ von 1978 entstand in zwei Schritten. Zunächst als zerbrochenes, im Meer versunkenes Schiff mit Resten von Rudern. Dieses Gerippe eines Bootes symbolisiert laut Cartier „die Vergangenheit, das Tote.“ Gleichzeitig steht das Schiff aber auch für die Fahrt des Lebens. Im zweiten Schritt formte er dann den Fisch als ein Symbol von Tod und Fruchtbarkeit, der das Wrack verschlingt und so das labile Gleichgewicht der Welt zwischen Leben und Vergänglichkeit wieder herstellt. Paolo Bianchi beschreibt Cartier als einen Equilibristen, „der nach einer Balance zwischen den Dingen strebt, womit auch sein Bedürfnis nach einer eigenen Mitte, nach einem eigenen Zentrum gemeint ist.“
Mit Leidenschaft hängt der Künstler auch an seinen fertigen Arbeiten: „Meine Lieblingsbilder behalte ich alle. Ich mache von den Werken Lithographien zum Verkauf. Die Bilder jedoch gehören mir, die gebe ich nicht mehr her.“ Neugierigen Kunstinteressenten vermittelt er in der eigenen Zürcher Galerie jedoch gerne detaillierte Einblicke in sein Werk. Gemeinsam mit dem Kunstkritiker und Ausstellungsmacher Paolo Bianchi gab er außerdem ein Buch heraus, das einen genauen Blick auf die „Liebesbilder – Lebensbilder“ wirft. Der Band wurde für sein qualitativ hochwertiges Erscheinungsbild mit der begehrten Sappi-Goldmedaille ausgezeichnet.


 

Gefühls- und Phantasiewelt eines faszinierenden Künstlers

Wrack 1978, Neusilber patiniert 35 x 56 x 35 cmOlympus 1985, Mischtechnik 80 x 70 cmSchicksalsschlag 1971, Neusilber patiniert, 54 x 70 x 36 cmPhaenotypus, Neusilber patiniert, 52 x 55 x 32 cm

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